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Vorderkajütboot "Müritz"

Direktlink zum Neuaufbau

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Die Müritz ist mein erstes und ältestes Modell und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Das Modell wurde in den 70er Jahren in der DDR von der Firma MOBA als Sperrholzbausatz angeboten.
Im 1975er Frühling/Sommer Katalog vom Konsument-Versandhaus Karl-Marx Stadt war es auf der Seite 194 wie folgt vertreten:

Ich hab sie etwa 1972 während meiner Lehrzeit gekauft und auch den Bau angefangen. Fertig geworden ist sie aber erst acht Jahre später. Gesteuert wurde sie damals von meiner ersten Eigenbau Fernsteueranlage (27,12 MHz, AM 4-Kanal Tipp). Sie hatte einen 12V Antriebsmotor der von 4 Stück 4,5V Flachbatterien gespeist wurde. Das war nicht eben günstig aber der Schiffskörper hatte die Stauräume für die Batterien eingebaut und es war nicht so einfach, das auf andere Typen umzufriemeln. Der Empfänger wurde von 3 Stück 2V Bleiakkus RZP2 gespeist. Die Rudermaschine war ein kompletter Eigenbau mit Endabschaltung rechts-links aber ohne automatische Mittelstellung. Da mußte man beim Steuern schon ein bischen fummeln, um wirklich geradeaus zu fahren.

Das Foto oben zeigt die Müritz Anfang der 80er Jahre am Strand von Dierhagen an der Ostsee im Neubau-Zustand. Das Unterwasserschiff war dunkelgrün, der Rumpf war weiss und die Dächer hellblau.

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Dieses Foto muß etwa 1982 aufgenommen sein. Wir sind zu der Zeit oft an diesem See zelten gewesen und meine Tochter und ich machen die Müritz hier gerade klar zum Fahren. Ich hätte das Boot bei der Gelegenheit beinahe verloren. Die vorderen kleinen Fenster waren offen und als das Boot weit auf dem See war, kamen Wellen auf. Ich hab sie sofort zurückgeholt aber einige heftige Schwapp Wasser hat sie genommen. Das war knapp!

Wie man auf diesem Bild erahnen kann, war die originale Farbgebung ein weißer Rumpf mit dunkelgrünem Unterwasserschiff und himmelblauen Kajütdächern.

Ende der 80er Jahre, als ich meine zweite Fernsteuerung gebaut habe, hab ich die Müritz samt Steuerung an einen Kollegen verkauft. Über viele Jahre hab ich das Boot dann nicht mehr gesehen, bis mir der Kollege im Sommer 2018 einen Rücktausch anbot. Das habe ich gern akzeptiert und nach 30 Jahren ist die Müritz dann in ihren "Heimathafen" zurückgekehrt.

Die folgenden Bilder zeigen den Zustand bei Rückgabe (August 2018) ohne irgendwelche Reparaturen oder Säuberungen. Ich beschränke mich hier auf das Modell. Die Fernsteuerung wird auf einer anderen Seite behandelt.


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Wie man sieht, hatte die Müritz von mir ein Stabdeck bekommen. Das war im Bauplan nicht vorgesehen. Ich hatte damals von irgendwo dünne Kiefernleisten bekommen und die Hälfte davon dunkel gebeizt. Leider konnte ich das Deck aber dadurch vor dem Lackieren nicht mehr schleifen, weil dabei die Beize abgetragen wurde. Das Deck wurde dadurch am Ende nicht so schön glatt, wie ich es mir gewünscht hätte. Das genau gleiche Problem trat Jahre später beim Bau der Skipper wieder auf und wird uns weiter unten noch einmal begegnen.


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Der Gesamteindruck aus der Ferne sieht gar nicht mal so sehr schlecht aus. Die folgenden Bilder von den Details zeigen aber doch den recht schlechten Zustand der Oberflächen nach 30 Jahren. Beim Alter des Modells ist das aber auch kein Wunder.

 

 

 

 

 

Es folgen einige Bilder vom Innenleben und der Technik. Das alles ist natürlich heute hoffnungslos veraltet.

Die Rudermaschine besteht nur aus einem Getriebe mit großer Untersetzung. Oben auf der Ruderachse sitzt eine elektrische Segmentscheibe, die bei Erreichen der maximalen Ruderausschläge den Motorstrom unterbricht. Antiparallel geschaltete Dioden erlauben jeweils den Wiederanlauf des Motors in der Gegenrichtung. Die Mittelstellung wird nicht erkannt. Das Steuern war also nur nach Gefühl (Sicht) möglich.

Unter der Heck-Plicht lagen die vier Flachbatterien (4,5V Trockenbatterien). Die Kontaktierung/Verbindung erfolgte durch KFZ-Flachstecker. Die dünne, verdrallte leitung ist die Zuleitung zur Rudermaschine im Heck.

Ein Blick in die Hauptkabine. Der Motor ist ein zu der Zeit sehr verbreiteter 12V mit 10.000 U/min. Die flexible Kupplung ist aus Aluminium selbst gedreht. Leider ist sie sehr laut gewesen (Klappern der Stifte in den Führungen) und wurde durch etwas Schaumstoff zwischen den Teilen bedämpft.

Noch ein Blick in die Hauptkabine. Links oben die Steckerleiste führt zur Empfängerplatine, die links in der Vorkabine liegt. Darunter das Paket aus vier Relais ist eine Relaiswiederholschaltung. Die war zu der Zeit nötig um sowohl Motor Ein/Aus als auch Vor/Zurück mit den beiden Tip-Kommandos zu realisieren. Darunter wiederum der Motor mit Kupplung zum Stevenrohr. Links oben zwei dicke Widerstände für die Positionsleuchten (Miniaturglühlampen).
Rechts ein Stufenschalter dessen Bedienhebel der Griff der Kabinentür ist. Er hat dreiei Stufen: Aus-Normaler Betrieb-Betrieb mit Positionsleuchten. An der Halterung klebt ein Steckverbinder für die Leitung zum Kabinendach. Die Diodenbuchse rechts ist die Ladebuchse für den Empfängerakku (6V, 3x RZP2).

Die Empfängerplatine, die normalerweise unter dem Dach in der Vorkabine liegt.

Das Dach der Hauptkabine hat mir damals viel Ärger gemacht. Original sollte es aus ziemlich dickem Sperrholz gebogen werden. Das ließ sich für mich nicht machen! Die Biegung war zu stark, das Material zu dick! Dünneres Sperrholz hatte ich damals nicht, also hab ich das Dach aus Leisten geklebt. Das führte aber in der Folge dazu, dass der Lack am Dach immer wieder gerissen ist, weil das Holz einach zu stark arbeitete. Das Kabel führt zur Positionsleuchte.

Abschließend ein Bild mit Propeller und Ruder. Messingschrauben waren damals für mich nicht erreichbar, so ist das hier wieder ein Eigenbau mit gedrehter Nabe und Blech-Flunken, die in Schlitze (Laubsäge) gelötet wurden. Das Ruderblatt ist aus Sperrholz, wie im Bauplan vorgesehen.

Soweit zum Zustand des Modells im Spätsommer 2018. Ich stehe nun vor der Entscheidung, ob das Modell technisch und optisch modernisiert werden soll, oder nicht. Falls nicht, bleibt diese Seite in dem Zustand, in dem sie jetzt ist. Im anderen Fall wird es hier irgendwann mit einem Abschnitt über eine modernisierte "Müritz" weitergehen.

Wir werden sehen...


... und im Frühjahr 2019 war dann die Entscheidung gefallen: Es wird einen kompletten Neuaufbau geben!

Als Erstes wurde die komplette Technik ausgebaut. NICHTS davon wird für den Neubau verwendet. Einzelne Teile werden im privaten "Museum" erhalten bleiben.

Der Neuaufbau begann mit dem Kabinendach. Um das leidige Reißen des Lacks über den Leisten loszuwerden, habe ich dünnes Sperrholz von einer Mandarinen-Kiste draufgeleimt.

Nach dem Schleifen, Spachteln und Grundieren, sieht das überarbeitete Dach schon recht annehmbar aus, finde ich.

Als nächstes musste der ganze alte Lack runter. Dabei halfen chemischer Abbeizer und Spachtel.

Dabei wurden der frühere Originallack (himmelblau) und die Grundierung (weiß) sichtbar.

Am Spiegel ist der Abbeizer mit Frischhaltefolie abgedeckt, um frühes Trocknen zu verhindern.

Hier sieht man wirklich, daß es für die Farbe an den Bordwänden keine Rettung mehr gab.

Dann ging es dem Stabdeck an den Kragen. Wie schon weiter oben beschrieben, konnte es damals beim Bau nicht vernünftig geschliffen werden, weil die Beize der dunklen Leisten, das nicht aushielt. So wie es sich inzwischen presentiert, kann es aber auch nicht bleiben, also muß es komplett ab!
Leider findet sich darunter nichts, was als Basis für ein neues Stabdeck dienen könnte.

Aus einer Platte 1,0 mm Flugzeugsperrholz entsteht hier beginnend am Bug die Basis für ein neues Deck.


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Und hier wiederholt sich nach 30 Jahren tatsächlich die Geschichte. Das Deck soll 2 mm dick werden. Ich hab also im Modellbauhandel entsprechende Leisten bezogen. Als Kontrastleisten waren 1x2 mm Leisten vorgesehen, die dunkel gebeizt wurden. Ich hatte wirklich gehofft, moderne Beize würde in solch dünner Leiste problemlos tief einziehen bzw. sie sogar komplett durchfärben.
Zum Test hab ich dieses kleine Brettchen gefertigt. Ihr seht rechts das enttäuschende Ergebnis nach einem kurzen Schleifversuch.

Ein weiterer Versuch, bei dem ein Tropfen Spülmittel zusätzlich die Oberflächenspannung der Beize aufheben sollte, um das Eindringen zu verbessern, brachte gar nichts! Dieses Stück war 24 h komplett von Beize bedeckt. Trotzdem kann man Schleifen vergessen.
Wenn man fehlgeschlagene Versuche ständig wiederholt, ohne die wesentlichen Voraussetzungen zu ändern, bleiben es eben tatsächlich Misserfolge. Das weiß man doch! Es hat schon beim Erstaufbau nicht funktioniert, ging beim Skipper genauso schief und natürlich klappte es auch diesmal wieder nicht. Modernere Beize und anderes Holz ändern daran gar nichts!

Damit musste ein neuer Plan her. Ich schneiden nun aus 0,5 mm starkem Furnier, das von Hause aus eine fast schwarze Farbe hat, 2 mm breite Streifen. Sie werden dann statt der 1x2 mm Leisten hochkant als Kontrastleisten eingeleimt. Die Fuge verringert sich damit von 1,0 auf 0,5 mm. Ich hoffe, das sieht noch realistischer aus.

Das Furnier war übrigens Teil eines Probepakets von ebay. Das waren mehrere Furniertafeln jeweils etwa in A4-Größe. Insgesamt 5 verschiedene Holzarten. Ich hatte das mal auf Verdacht gekauft und war nun froh, es rumliegen zu haben.

 

 

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