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Elektro Rookie S

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An Flugmodelle hatte ich mich bisher nie getraut. Nun wird sich das endlich ändern. Ein sogenanntes ARTF Modell von Graupner sollte es für den Anfang sein. ARTF steht für Almost Ready To Fligh was auf gut Deutsch "beinahe fertig zum Fliegen" bedeutet. Mit anderen Worten, wenige Minuten nach dem Kauf, nach Einbau von ein paar fehlenden Teilen, soll das Ding schon fliegen können. Na, wir werden sehen.

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Den "Elektro Rookie" gab es schon länger als "richtigen" Bausatz für knapp 80,-€. Da hätte man etwas mehr basteln und mehr Teile dazukaufen müssen. Gegen das "mehr basteln" hätte ich ja nichts gehabt, da ich aber bei meinem ersten Flüggerät unbedingt ein Erfolgserlebnis wollte, hab ich mich für die ARTF-Variante entschieden. Dumm nur, dass die auch stolze 100,-€ teurer ist. Dafür ist aber auch tatsächlich fast alles dabei und beim Zusammenbau kann man nichts falsch machen (hoffe ich).

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So kam der Flieger also an. Das Material ist Solidpor, ein recht fester Schaumstoff, ähnlich Styropor aber doch dichter und fester als dieser. Aus Solidpor sind der Rumpf mit Seitenleitwerk, die Tragflächen, die Kabinenhaube (blau gefärbt) und das Höhenleitwerk. Zur Verstärkung der Struktur gehören zwei Kohlefaserstäbe dazu. Einer verstärkt den Rumpf von der Kabine zum Seitenleitwerk. Dieser Stab ist beim ARTF schon eingebaut, man sieht ihn also nicht. Der zweite Stab dient zur Verstärkung der Verbindung der beiden Tragflächenhälften. Zum Lieferumfang gehören außerdem Motor, Fahrregler, 2x Servo, LiPo-Akku und LiPo-Ladegerät mit Balancer.
Ich habe mein Modell bei Conrad gekauft und zur Zeit als ich dies hier schreibe, wird dort im Shop noch behauptet, dass die Fernsteueranlage zum Lieferumfang gehört. Das ist falsch! Servos und Fahrregler zählen zwar dazu, aber die beiden wichtigsten Teile der Fernsteueranlage sind Sender und Empfänger. Und die gehören NICHT zum Lieferumfang!

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Das Schöne an diesem Modell ist, dass es sich so weit, wie es hier oben auf der Werkbank liegt, immer wieder zerlegen lässt. Der Transport ist also absolut kein Problem. Ach so, hatte ich vergessen: Die Spannweite ist 1400mm, Länge ü.a. ist 960mm.

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Dieses Bild zeigt der Stand, wie das Modell bei Lieferung vormontiert ist. Montiert ist nicht ganz das richtige Wort. Es ist buchstäblich Alles geklebt! Na gut, Schrauben wären im Schaumstoff wohl auch witzlos gewesen. Links der Drehzahlregler ist für maximal 3S (11,1V) und 18A vorgesehen. Er ist offensichtlich frei programmierbar. Dazu dient der kleine rechteckige schwarze Drummel, der lose am schwarzen Kabel in der Mitte des Bildes hängt. Die Bowdenzüge für die Ruderansteuerung waren schon voreingestellt. Beim Seitenruder stimmte das etwa. Beim Höhenruder war es aber völlig daneben. Zum Glück war der Draht eben noch lang genug, um die korrekte Neutralposition einzustellen.

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Nun gings los mit dem ersten Laden des LiPos. Es ist übrigens serienmäßig ein 2S (7,4V) mit 2,5 Ah. Das mitgelieferte Ladegerät kann 2S und 3S laden. Es wird über Steckernetzteil mit 220V betrieben, kann aber auch über ein mitgeliefertes Adapterkabel (unten links im Bild) direkt an 12V (Auto-Batterie) betrieben werden. Das ist sehr praktisch, finde ich.

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Der spannende Moment: Der Empfänger ist angeklemmt und die Funktionen werden geprüft. Wunder über Wunder, es funktioniert alles! Der Drehzahlregler ist aber auch sowas von cool. Der macht sogar Musik. Im Ernst, er meldet Zustände mit verschiedenen Tönen. Da kriegt man erstmal einen Schreck, wenn der losquiekt ;o)

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Jetzt gehts ans Trimmen. Im Forum habe ich gelesen, es braucht etwa 160g in der Nase, damit der Schwerpunkt stimmt. Laut Anleitung soll der Schwerpunkt zwischen 75 und 85mm von der Tragflächenkante liegen. Der mitgelieferte 2S wiegt, wie man sieht, 126g. Da müssten also zusätzlich 34g Gewicht rein.

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Na so ein Zufall, in der Kiste lag eine Stange Trimmgewichte. Insgesammt 7 Stück à 5g = 35g. Da hat wohl jemand wirklich mitgedacht. Und das Schönste: Die Gewichte passen auch noch saugend in eine Nut im Schaumstoff direkt unterm Akku. Da macht das Zusammenbasteln Spaß ;o)

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So sieht das Innenleben nun vor dem ersten Start aus. Ein Schalter ist nicht vorgesehen. Die beiden roten Kupplungshälften der Akkuleitung zum Regler werden einfach verbunden oder getrennt. Der von mir eingesetzte Empfänger ist ein 8-Kanal PLL. Das ist deutlich overkill aber ich habe keinen einfacheren zur Hand. Und irgendwo muß er ja mal eingesetzt werden. Vielleicht tausche ich ihn später mal aus.

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Hier sieht man über den Servos den winzigen Programmiertaster für der Drehzahlregler. Da sind sogar zwei LEDs eingebaut. Durch Betätigen des Tasters und entsprechende Rückmeldungen per LED und/oder Piepston wird der Regler programmiert. Das ist nur nötig, wenn man die Einstellungen verändern will. Bisher kann ich dafür keine Notwendigkeit sehen. Den Taster kann man sogar vom Regler abziehen. Er ist nur drangesteckt.

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Ein anderes Hochtechnologieteil: Ein Brennholzscheit mit zwei Nägeln eingeschlagen. "Richtige" Modellflieger schlagen nun wohl die Hände über dem Kopf zusammen. Ich fand, es war die einfachste Möglichkeit den Schwerpunkt festzustellen. So wie auf dem Foto zu sehen, hängt das Modell genau wagerecht.

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Und der Zollstock zeigt, der Nagel sitzt ca. 80mm von der Vorderkante der Tragfläche. Wenn die Beschreibung stimmt, sollte das funktionieren. Aber was weiß ich schon davon? Der Versuch wird es zeigen. Aber nun ist der Sonntag Nachmittag fast vorbei, es ist ziemlich windig und auch recht kalt. Das wird heute nichts mit dem Probeflug. Nun brauchen wir erst mal passendes Wetter.

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An einem Sonntag Mitte März war es dann soweit. Windstärke 1-2 und kein Regen. Mehr konnte man nicht verlangen. Ich war eigentlich sehr optimistisch. Wenn man bedenkt, dass ich außer Drachen sonst noch nie irgendwas zum Fliegen gebracht hatte, hätte mir das zu denken geben sollen.

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Bis hier sieht alles noch wirklich gut aus. Das täuscht aber leider. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich die Schwierigkeit ein Modellflugzeug zu steuern gründlich unterschätzt habe.

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Es ist mir prima gelungen, das Ding mehrfach senkrecht in den Grund zu bohren. Mit jedem Versuch stieg der Frustlevel. Das einzig Positive an der Sache war die Widerstandskraft des Modells. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Crashes überlebt.

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Zwischendurch flog das Modell sogar einige Male. Leider tat es aber fast nie, was ich dachte, dass es tun sollte. Mein Hauptfehler war wohl, dass ich beim Steuern immer überreagiert habe. Jedenfalls hatte ich nie wirklich Kontrolle über das Modell.

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Und dann kam schließlich der Crash, den selbst so ein Modell für Dummies nicht unbeschadet überleben konnte. Die Bilder sehen zwar schlimm aus, aber der Schaden hält sich tatsächlich noch in Grenzen. Eine Klebenaht am Bug ist auf gegangen und der Kohlefaserstab (!) in den Tragflächen ist gebrochen. Aber alle Solidporteile sind in Ordnung. das ist wirklich erstaunlich!
Abends hab ich dann erst mal Ersatzteile und Kleber bestellt und zum kommenden Geburtstag steht ein Flugsimulator (oder sollte ich sagen "Crashsimulator"?) auf dem Wunschzettel. Mal sehen, wie es danach weiter geht.

So, der Geburtstag hat tatsächlich einen Flugsimulator gebracht und soviel ist sicher: Nutzlos ist so ein Teil nicht! Natürlich vermittelt es nicht das absolut realistische Feeling, wie wenn man das Modell in Natur steuert, aber es hilft beim Erlernen der Koordination der Flugbewegungungen. Man lernt einfach, was das Modell tut, wenn man eine bestimmte Bewegung am Sender macht.

Es hat also tatsächlich geholfen wie man sieht, nur an der Landung muß ich wohl noch arbeiten. Übrigens fliegt auf dem Video tatsächlich nur ein Modell, der Rest sind Mücken ;o)

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