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Die Entwicklung der LTS/KTS Boote


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1958 gab es in der DDR eine Ausschreibung mit dem Ziel der Entwicklung eines kleinen und sehr leichten Torpedoschnellbootes. Die DDR betrat damit kein Neuland. Es hatte schon im Ersten und Zweiten Weltkrieg Vorläufer eines solchen Bootes gegeben. Zu nennen wären z.b. das britische CBM, das italienische M.A.S., das deutsche LS-Boot sowie das sowjetische G5 von Tupoljev.

mas

italienisches M.A.S.

g5

sovjetisches G5


Beteiligt an der Entwicklung der Boote waren das Institut für Schiffbautechnik Wolgast (ISW), die Yachtwerft Berlin mit dem Rennbootskollektiv Johannisthal, die Roßlauer Schiffswerft und die Bootswerft Greifswald.

Das Pflichtenheft für die Entwicklung enthielt unter anderem folgende Forderungen:


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Projekt 58

Die Bootswerft Greifswald experimentierte kurzzeitig unter dem Namen "Möwe" (Projekt Nr.58) mit einem Versuchsboot aus GPU-Verbundstoffen. Das Boot sollte von einem Junkers-Dieselmotor Jumo 205C angetrieben werden, es wurde zwar gebaut aber nach der Erprobung wieder abgebrochen.


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Projekt 81

Die Roßlauer Schiffswerft experimentierte mit einigen kleinen Versuchsbooten (M1 bis M4) und entwickelte als Projekt 81 ein Boot, das mit einem flächentauchenden Bugtragflügel ausgerüstet war. Angetrieben wurde es von einem Dieselmotor des Typs M50F-3. Das Boot erreichte zwar die geforderte Geschwindigkeit (Glattwasserversuche), trotzdem wurde die Entwicklung eingestellt. Das Versuchsboot wurde später im Armeemuseum Potsdam ausgestellt.

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Projekt 81 - Roßlauer Schiffswerft

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Das Versuchsboot Projekt 81 im Militärhistorischen Museum Dresden


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Projekt 63.300 - "Iltis"

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Das ISW entwickelte ein Boot unter der Projekt-Nr. 63. Es war eine Konstruktion aus Leichtmetall (AlMg4,5), ausgerüstet mit zwei Antriebswellen und zwei Dieselmotoren vom Typ M50F-3 aus der Sowjetunion. Die Leistung der Motoren betrug je 880KW (1200PS). Bewaffnet war es mit zwei 533-mm-Torpedorohren. Der Ausstoß der Torpedos erfolgte mit Druckluft entgegen der Fahrtrichtung aber mit dem Gefechtskopf in Fahrtrichtung. Die kleine Kabine im Vorschiff nahm die anfänglich 2- später 3-Mann Besatzung auf.

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Maschinenfahrstand eines der ersten 63er, noch mit 2-Mann Besatzung.
Die Blickrichtung nach achtern wurde auch aus Gründen der Luftraumbeobachtung gewählt.

Unter der Projektnummer 63.1 begann 1959 der Bau der ersten drei Versuchsboote. Im März 1960 startete die Erprobung. Das Boot war 13,8 Meter lang, 3,6 Meter breit und hatte eine Verdrängung von 16 Tonnen. Ursprünglich waren die Motoren in Normallage mit Zwischenwellen eingebaut. Allerdings erwies sich das Boot als instabil und zu langsam.
Überarbeitet zum Projekt 63.2 wurden die Abmessungen geändert. Zur Änderung des Schwerpunkes wurden die Motoren nach achtern versetzt. Wegen der Neigung der Propellerwellen mußten die Motoren allerdings mit dem Antriebsflansch in Fahrtrichtung eingebaut werden. Das machte zur Kraftübertragung je eine Gelenkwele und ein Umkehrgetriebe nötig. Die Erprobung erfolgte 1961. Obwohl das Boot die Geschwindigkeit erreichte, war es immer noch instabil.
Unter der Projektnummer 63.3 wurden nochmals Veränderungen vorgenommen und die Erprobung ab 1963 zeigte, daß dieses Boot weitgehend den Erwartungen entsprach. Ab November 1961 hatte man schon mit der Fertigung einer Nullserie (6 Boote) begonnen. Nach der Fertigstellung wurden sie ab August 1963 als 63.31-63.36 in Dienst gestellt. Das WTZ der Volksmarine erprobte die Boote weiter. Sie wurden außerdem zur Schulung der Besatzungen genutzt.

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Boot 63.33 (V-06) längsseits H67

Am 25.07.1964 wurde schließlich das erste Serienboot 63.301 in Dienst gestellt. Zur Ausrüstung gehörte nun auch die Funkmeßstation KSA V (V=fünf!) und der Hilfsdiesel 1 KVD8. Die Drucklufttanks zum Starten der Maschinen und Torpedoschuß mußten an Land bzw. vom schwimmenden Stützpunkt aufgefüllt werden. Es wurden 30 Serienboote gebaut. Im Laufe der Zeit wurden die KSA V Anlagen gegen die modernere TSR222 ausgetauscht. Als Antennenträger für die neueren Funkanlagen GKWR130 und UKWR619 wurde im Heckbereich ein Vierbeinmast installiert. Da die Treibstoffmenge als zu klein eingeschätzt wurde, bekamen die Boote Halterungen für Zusatztanks auf dem Oberdeck.
Ab 1973 wurden die Serienboote schrittweise abgebrochen und ab Ende 1974 begann der Ersatz durch die neuen KTS 131.400.

Zusätzliche Informationen zu diesem Projekt gibt es auf der Typenseite!


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Projekt 68.200 - "Hydra"

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Die Yachtwerft Berlin folgte einer ganz anderen Entwicklungslinie. Ab 1959 wurde hier als Projekt 68 ein Boot in Holzkonstruktion mit einem Rumpf aus Mahagoni entwickelt. Das Deck und die Festigkeitsverbände bestanden aus mehrfach verleimtem Sperrholz bzw. aus kombinierten Holz-Sperrholzteilen.
Das erste Versuchsboot 68.1 war 13,01 Meter lang und 3,6 Meter breit. Es wurde von nur einem Motor M50F-3 angetrieben. Das zweite Boot 68.2 erhielt neben konstruktiven Änderungen auch eine zweite Maschine. Interessant ist, daß 68.1 versuchsweise auch mit einer 12,7mm Zwillingsflak ausgerüstet wurde. Obwohl für diesen Bootstyp diese Versuche wieder eingestellt wurden, kam das Konzept später beim KTS 131 wieder zum Einsatz, dann allerdings mit der 23mm ZU23.

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Das Bild zeigt das Boot 68.1 mit 12,7mm Doppellafette

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Links 68.2, rechts 68.1 mit der Geschützwanne.
Interessant ist auch, wie sich die Kanzelform entwickelt hat.
Im Hintergrund, links neben der Tankschute,
hat das Versuchsboot des Projekts 81 festgemacht.

Obwohl die ersten Boote noch nicht den Anforderungen genügten, wurde schon ab 1962 mit dem Serienbau begonnen. Die Boote 68.201, 202, 203 und 204 wurden 1964 dem WTZ der Volksmarine zur Erprobung übergeben. Gleichzeitig führte die Werft an anderen Booten noch weitere Tests durch. Die meisten Erprobungsboote wurden 1967/68 wieder abgebrochen. Nachdem das technische Projekt nochmals überarbeitet worden war, begann die Werft ab der Bau-Nr. 68.210 mit einer zweiten Bauausführung. Auch von dieser Ausführung wurden einige Exemplare verworfen. Schließlich wurden der LTSB-Brigade ab August 1967 acht Boote der ersten Bauausführung und zehn Boote der zweiten Bauausführung übergeben.
Die Boote hatten jetzt eine Verdrängung von 20,9 Tonnen und konnten mit drei Torpedorohren ausgerüstet werden. Die äußeren Torpedorohre konnten gegen Minenabwurfeinrichtungen für sechs Fernzündungsminen vom Typ KMD-500 ausgetauscht werden. Nach Entfernen aller drei Torpedorohre konnte man diese Boote recht einfach auf eine Transportvariante für bis zu 32 Mann (Kampfschwimmer o.ä.) umrüsten. Als Funkmeßanlage kam die KSA III zum Einsatz. Die Boote verfügten über die Funkstationen GKW-S/E US9DM und UKW-S/E R800. Die Kosten für die Forschung und Entwicklung der Boote sollen 790.000 Mark und die für die Serienfertigung der 1. und 2. Bauausführung 18 Mill. Mark betragen haben. Bis 1975 waren alle Boote aus dem aktiven Dienst wieder ausgemustert und wurden zumeist abgebrochen. Ein Boot wurde im WTZ der Volksmarine zu einem funkferngesteuerten LTS-Schlepper umgebaut. Die Bootswerft Wiek baute ein Boot für die eigene Nutzung zum Wohnboot um. Ein anderes Boot wurde im Armeemuseum Dresden ausgestellt.

Zusätzliche Informationen zu diesem Projekt gibt es auf der Typenseite!


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Projekt 131.400 - "Libelle"

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Ende der 60er Jahre wurden Entwurfsuntersuchungen für ein kleines Torpedoschnellboot (KTS) unter der Projekt-Nr. 131 eingeleitet. Zielstellung war ein 30t-Boot mit zusätzlicher Bewaffnung und verbesserter funkelektronischer Ausrüstung. Angetrieben werden sollte es von drei sowjetische Dieselmotoren des Typs M50F mit je 880kW (1200PS). Die Gesamtleistung sollte etwa 2640kW (3600PS) betragen. Als maximale Geschwindigkeit war rund 45sm/h vorgesehen.
Der Gesamte Körper wurde als vollgeschweißte Leichtmetall Konstruktion ausgeführt. Im Unterschied zum 63.300 waren hier jedoch die Torpedorohre fast vollständig im Rumpf eingebaut. Das Torpedoausstoßverfahren war identisch mit den vorhergehenden LTS-Bootstypen. Erstmals bekam das Boot aber eine zusätzliche Bewaffnung in Form einer modifizierten 23-mm Zwillingsflak DL2V23. Sie war zusätzlich mit einem Wetterschild versehen. Seitlich neben dem Deckshaus konnten zwei Minenausstoßrohre für Minen vom Typ UDM montiert werden. Alternativ zu den Minenausstoßrohren konnten Einrichtungen zum Manschaftstransport installiert werden. Als Funkmeßstation wurde eine weiterentwickelte TSR222 eingesetzt. Dieser Bootstyp brauchte 5 Mann Besatzung.

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Projekt 131 Prototyp

Ab Oktober 1971 begann auf der Peenewerft in Wolgast der Bau des ersten Versuchsbootes 131.1. es wurde am 30. Mai 1972 dem WTZ der Volksmarine zur Erprobung übergeben.  131.2 und 131.3 folgten in den Jahren 1972-73. Mit diesen drei Booten fanden umfangreiche Erprobungen statt. Die sich daraus ergebenden Verbesserungen wurden im Bau von 131.400 berücksichtigt. Das Boot wurde später als 131.4 eingeordnet. Interessant ist, daß ab diesem Boot der Schiffskörper samt Aufbauten in der Schiffswerft Rechlin gebaut wurden. Die PWW nahm von da an nur noch die Ausrüstung und Bewaffnung vor. Die Rohbau-Boote wurden auf dem Landweg nach Wolgast transportiert.
Die Serienfertigung begann mit 131.401, das am 20.12.1974 an die VM übergeben wurde. Bis zum 31.03.1977 wurden insresamt 30 Serienboote gebaut.

131.4 wurde noch eine Weile als Versuchs- und Ausbildungsboot erhalten. Insgesamt wurde 131.400 als gelungene Konstruktion eingeschätzt. Die ursprünglich attestierte Grenznutzungsdauer von 500 Fahrstunden konnte später auf 750 erhöht werden.
Es gab kurzzeitig Überlegungen, das Projekt zu einem Kleinen Raketenschnellboot (Projekt 141.1) weiter zu entwickeln. Nach ersten Studien wurde das Vorhaben aber eingestellt.
Gleichfalls gab es Überlegungen, ein Musterboot plus Dokumentation an Kuba zu übergeben. Die Absicht war offensichtlich, entweder Nachbestellungen von kubanischer Seite zu erreichen oder Grundlagen für einen Nachbau vor Ort zu schaffen. Allerdings wurde auch diese Übergabe nicht verwirklicht.

Die erste Gruppe von insgesamt 16 Booten wurde 1984 abgebrochen. 1986 war das Boot 131.421 nach schwerer Kollision mit einem RS-Boot gesunken, wobei es ein Todesopfer gab. Das Boot wurde zwar gehoben, aber wegen der Schwere des Schadens verschrottet. Vier Boote (131.408, 410, 423 und 426) wurden verschiedenen Museen übergeben.

Zusätzliche Informationen zu diesem Projekt gibt es auf der Typenseite!

Zum Abschluß noch eine kleine Kuriosität: Ich bekam von Matthias Zettel eine Kopie des Typenschildes vom KTS 131.409, Bordnummer 915, wie hier im Folgenden zu sehen.

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Zu unserer Verblüffung zeigt das Schild als Bau-Nr. statt der erwarteten 409 die 309! Meine Bitte um Aufklärung wurde von der Peene-Werft sehr schnell wie folgt beantwortet:

"...wir können Ihnen folgendes zum Typenschild mitteilen. Die Angabe in der Literatur (131.409) ist eine sogenannte Objektbau-Nr.
Diese findet sich auf versch. Zeichnungen und technischen Unterlagen wieder. Sie gibt den Typ des Schiffes an (131). Die 4 gibt den Entwicklungszustand (4 = Serienschiff) an. 09 steht für das neunte Fahrzeug der Serie.
Zufälligerweise hat es sich so ergeben, dass 131.409 die Neubau-Nr. 309 der Peene-Werft geworden ist..."

Man darf also ganz offensichtlich die Neubau-Nr. der Werft nicht mit der Objektbau-Nr. verwechseln.

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