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Meine Jolana

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Das ist meine "Jolana - Tornado" nach der Überarbeitung.
(Serien-Nr: E4628)

Detailbilder vom ursprünglichen Zustand gibt es unten im Beitrag.


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Woher & Warum

Ich muß erst mal gleich einem Mißverständnis vorbeugen: ich bin kein Gitarrist! Ich habe zwar vor sehr vielen Jahren, während der Lehr- und Armeezeit heftig auf einer alten Western-Gitarre rumgeklimpert, es ist aber nie was Richtiges draus geworden. Also warum nun auf einmal diese Gitarre?
Ich vermute, das war Ausdruck einer Art Midlifecrisis ;o) Manche kaufen sich plötzlich Lederklamotten und ein Motorrad. Ich bin statt dessen im frühen Januar 2004 in einem A&V über diese Gitarre gestolpert und kam einfach nicht daran vorbei. Um ehrlich zu sein, wollte ich mir sowieso schon lange mal wieder eine zulegen, konnte mich aber nie recht entscheiden. Dieses Teil sollte 100,-€ kosten. Ich hab sie auf 85,-€ runter gehandelt und da war es meine ;o)

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Ausser dem lädierten Schriftzug "Tornado" war keine weitere Markierung zu finden. Irgendwie kam mir die Gitarre aber bekannt vor. Suchen im Internet brachte dann die Erkenntnis, daß es sich um ein tschechisches Instrument der Firma "Jolana" handelt. Diese Gitarren wurden von den 60ern bis in die späten 70er produziert und gehörten damals bei uns im Osten zu den besten, die man kaufen konnte. Ich erinnerte mich nun auch wieder, solche Gitarren um 1972 regelmäßig bei unserem Musikinstrumentenhändler im Schaufenster bewundert zu haben. Damals als Lehrling fehlte natürlich das Geld. Na gut, besser spät als nie ;o)


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Geschichte

Auf der Suche nach Infos über die Tornado habe ich praktisch nur auf der russischen Webseite "Cheesy Guitars" Konkretes gefunden. Danach produzierte die tschechische Firma Jolana ab 1963 mit der Tornado ihre erste halbakustische Gitarre. Die Gitarren wurden in der neuen Neoton Fabrik in Hradci Králové produziert. Sie waren sofort ein Erfolg und wurde von zahlreichen Modifikationen gefolgt, deren erste die Graciolla war. Die Tornado und Graciolla haben beide fast den selben Körper, der Hals mit Rosen- oder Ebenholz Griffbrett ist mit vier Schrauben befestigt. Die Tornado hat drei Singlecoil-Pickups, die Graciolla dagegen einen oder zwei. Die Tornado hat normalerweise ein Bigsby-ähnliches Vibrato. Es gibt auch eine Vorrichtung zum Bedämpfen der Saiten, die aber nicht alle Tornados besitzen. Der Dämpfer war ein kurzlebiger Trend in den 60ern, der durch die Surf- und Country Spieltechnik beeinflußt wurde. Selbst frühe Fender Jaguars waren damit ausgerüstet. Er besteht aus einem gebogenen Stahlblech mit einem Stück Gummi daraufgeklebt. Wenn das Blech angehoben wird, bedämpfte es die Saiten teilweise.
Tornados wurden während der 60er und 70er Jahre bei Jolana parallel zu anderen halbakustischen Modellen produziert.


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Typenunterschiede

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Ich beziehe mich hier nur auf "normale" Tornados. Es soll auch Sonderanfertigungen gegeben haben, die ich aber auslasse. Die Standard-Farbe scheint weinrot gewesen zu sein. Daneben sind auch schwarze Tornados bekannt. Nr 2 ist meine eigene im Zustand beim Kauf.
Alle Tornados von Jolana haben original 3 Single-Coil PUs, wobei es offensichtlich zwei verschiedene Farbvarianten gibt.

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Die PUs haben ein verchromtes Metallgehäuse, das oben großflächig durchbrochen und von innen mit einer dünnen Plastikplatte abgedeckt ist. Diese Abdeckung war entweder einfach schwarz (Nr.3, Nr.5) oder aber mit einem Perlmut/Glimmer-Effekt versehen (Nr.1). Die Abweichungen bei Nr.2 (meine eigene) und Nr.4 sind nachträgliche Umbauten. Nur Nr.1, 3 und 5 sind original bestückt.
Das Dämpfungsblech an der Brücke (Nr.2, 3 u. 4) scheinen zwar original die meisten Tornados besessen zu haben, aber eben doch nicht alle. Dazu kommt, daß offensichtlich manches Blech nachträglich entfernt wurde. Man brauchte es eben einfach nicht.
Das Vibrato mit dem typischen flachen Hebel scheinen grundsätzlich alle Tornados von Hause aus mit bekommen zu haben.

Ich möchte an dieser Stelle etwas zum Thema Tremolo oder Vibrato sagen. Wenn man in Veröffentlichungen (auch besonders im Web) zu dieser Einrichtung an Gitarren liest, findet man sehr häufig den Begriff "Tremolo". Technisch ist das falsch!
Auch die ständige Wiederholung durch "Experten" macht es nicht richtig. Tremolo beschreibt eine Amplitudenmodulation, d.h. die Lautstärke schwillt rythmisch an und ab. Dagegen meint das Vibrato die Frequenzmodulation. Der Ton verändert sich in der Höhe rythmisch hoch und runter. Beides sind also technisch verschiedene Dinge. Man sollte sich bei der Verwendung der Begriffe schon an die Fakten halten. Es gibt musikelektronische Geräte, die beide Effekte eingebaut haben, Tremolo sowohl als Vibrato. Das heißt bei solchen Geräten unterscheidet man fein, was ist was. Warum also nicht die selbe Klarheit bei der Gitarre? Wirklich komisch wird es, wenn eine ansonsten sehr gute Webseite zum Thema "Gitarren Tremolo einstellen" davon spricht, daß schon früh Gitarren mit einem "Tremolohebel" ausgestattet wurden, mit dem man ein "Vibrato" erzeugen kann ;o)


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Funktion der Bedienelemente

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Das Bild zeigt eine Nahaufnahme meiner Tornado nach dem Kauf, vor der Überarbeitung

Was an der Tornado fasziniert, sind die Massen an Bedienelementen. Das ist schon etwas verwirrend. Wenn dann, wie bei meiner, beim Kauf nichts richtig funktioniert, ist man erst mal aufgeschmissen. Durch Kontakte mit anderen Tornado-Besitzern und auch durch Aufnehmen und Vergleichen der Schaltung nach dem Öffnen der Gitarre, hab ich dann schließlich rausgefunden, wie die Bedienung funktionert:

Weitere Hinweise zu den Bedienelementen und ihrer Funktion werden bei der Erklärung der Schaltung gegeben.


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Schaltplan

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Ich habe die Schaltung der Tornado nach dem Öffnen der Gitarre selbst aufgenommen, weil Ich nirgends eine Veröffentlichung darüber finden konnte. Sie ist etwas umfangreicher, als die meisten passiven Schaltungen für E-Gitarren. Trotzdem ist die Funktion leicht zu verstehen.

Hauptelement ist der Schalter S1. Wird er nach oben geschaltet, verbindet er den Ausgang mit dem mittleren PU. P1 stellt mit C1 ein einfaches Klangregelglied dar. P2 regelt die Lautstärke. Alle anderen Bauteile sind wirkungslos, da sie in diesem Fall durch S1 vom Ausgang getrennt sind.

Wird S1 nach unten geschaltet, so wird der mittlere PU samt P1, P2 wirkungslos. Dagegen sind nun der Brücken- und Hals-PU aktiviert. Allerdings spielt hier nun auch der 4-fach Wippschalter S2-S5 eine Rolle. S2 und S3 schalten den Hals- bzw. Brücken-PU ein oder aus. S4 aktiviert für beide PUs einen Tiefpass. S5 aktiviert für beide einen Hochpass. Das war schon alles. Was die Aktivität der Tonabnehmer angeht, so gibt es also folgende Varianten:

  1. Kein PU aktiv (S1 unten, S2 unten, S3 unten)
  2. Middle-PU aktiv (S1 oben, S2-3 spielen keine Rolle)
  3. Neck-PU aktiv (S1 unten, S2 oben, S3 unten)
  4. Bridge-PU aktiv (S1 unten, S2 unten, S3 oben)
  5. Neck- & Bridge-PU aktiv (S1 unten, S2 oben, S3 oben)

Man kann also jeden PU einzeln spielen, auch Hals und Brücke zusammen, aber nie alle drei PUs gleichzeitig.


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Verdrahtungsplan

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Wenn man das Pickguard ausbaut und von unten darauf sieht, stellt sich die Verdrahtung etwa so dar, wie hier oben gezeichnet. Die Elemente sind auf dem Plasteteil so angeordnet wie im Bild, mit der Ausnahme von P3, P4 und dem Signalausgang. Der Ausgang müßte etwas weiter rechts-unten sitzen. Die beiden Potis rutschen dann auf einer Linie genau zwischen den Ausgang und der unteren rechten Ecke des 4-fach Wippschalters. Elektrisch ist das egal. Ich hab's nur wegen der Übersichtlichkeit verändert.
Wichtig sind, wie bei allen E-Gitarren, die Masseverbindungen. Wenn die nicht in Ordnung sind, wird man Probleme mit dem Brummen bekommen. Im Bild ist die Masse (oder Erde) immer blau dargestellt. Die Saiten-Erdung geht direkt von der Ausgangsbuchse innen an das hinterste Ende der Gitarre, in die Nähe des Knopfes für die Gurtbefestigung.

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Das Bild zeigt unten an der Gitarre den Knopf für den Gurt. Rechts und links daneben sieht man die Schraubenlöcher für die Haltewinkel des Vibratos. Oberhalb des rechten Lochs findet sich ein weiteres, durch welches das Massekabel vom Signalausgang geführt wird. Das Kabel wird abisoliert und die blanken Drähte in das Schraubenloch gesteckt. Beim Anschrauben des Vibratos stellt die Schraube dann die Masseverbindung zu dem Vibrato und damit auch zu den Saiten, der Brücke, den Wirbeln usw. her.
Das hört sich einfach und clever an, ist aber nicht ohne Tücken. Hier hinten an der Stelle auf dem Foto werden offensichtlich die dünnen Einzeldrähtchen des Kabels zumindest teilweise von der Schraube beim Eindrehen abgeschert oder gequetscht. Bei mir sah es so aus, als wenn dort kaum noch Verbindung existierte. Es ist eventuell besser vor dem Einschrauben die Drähtchen zu verdrallen und zu verzinnen. Die zweite Schwachstelle ist die Lötstelle an der Ausgangsbuchse. Da das Kabel in der Gitarre frei hängt und nirgends an der Buchse abgefangen wird, bricht es leicht dort an der Lötstelle ab. Es ist besser, das Kabel mit einem Punkt Heißkleber o.ä. dicht an der Lötstelle auf dem Pickguard noch einmal abzufangen bzw. zu entlasten.


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Rekonstruktion

Die Gitarre war leider in einem eher schlechten Zustand. Es sah klar so aus, als wenn sie lange Zeit wirklich auf Tour von einem Musiker gespielt wurde. Sie machte einen rundum abgenutzten Eindruck. Die Abnutzungen/Beschädigungen und Veränderungen sahen wie folgt aus:

Am sinnvollsten wäre sicherlich die Instandsetzung durch einen Fachmann. Das kostet aber richtig Geld und würde sich nur bei einem wertvollen Instrument lohnen. Hier ist es wohl eher angebracht, zu versuchen einiges selbst zu machen, wobei man realistisch einschätzen muß, was machbar ist und wovon man besser die Finger läßt. Auf jeden Fall soll die Gitarre elektrisch wieder i.O. sein und sich auch vernünftig spielen lassen. Kosmetische Dinge müssen wohl weitgehend zurückstehen :o(
Hier folgen nun einige Versuche, den beim Kauf schlimmen Zustand etwas zu verbessern.


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Wippschalter

Der Zustand der Wippschalter war richtig schlimm. Nicht nur das einige elektrisch scheinbar keine Wirkung hatten, sie rasteten auch mechanisch schlecht oder gar nicht in den Endlagen. Ich weiß aus Zuschriften und von anderen Webseiten, daß das ein typisches Problem an Jolana Gitarren ist. Wenn man die Gitarre öffnet, wird das auch verständlich. Der Hersteller hatte ganz offensichtlich zwar Erfahrung im Instrumentenbau aber wohl weniger in den Anforderungen für einen elektrisch und mechanisch zuverlässigen Schalter.
Es gibt zwei verschiedene Schalter. Einen einzelnen einpoligen Umschalter (S1) und vier kombinierte einpolige Einschalter (S2-5).

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Das Bild zeigt die Unteransicht des Umschalters S1. Er ist der Kompliziertere, weil er drei Kontaktfedern und eine Doppelrastfeder beinhaltet. Das Prinzip ist bei allen Schaltern gleich. Die linke, 90° gewinkelte, Kontaktfeder ist sozusagen der Mittelanschluß. Die mittlere und die rechte Feder werden vom Pertinaxplättchen (fest an der Wippe) wahlweise gegen die abgewinkelte Feder gedrückt. Dazu haben diese Federn je einen Knick, die eine weiter vorn und die andere weiter hinten. Der Knick geht von hier gesehen nach unten und ist der Angriffspunkt für das Pertinaxplättchen. Damit die Wippe gut rastet, gibt es die Rastfedern zwischen den Kontaktfedern. Sie laufen vom hinteren Winkel über das Plättchen zum vorderen, wo sie umgebogen sind. Genau in der Mitte haben sie ebenfalls einen Knick nach unten, den das Plättchen beim Bewegen überwinden muß. Das erzeugt die Rastung.
Die Schalter S2-5 benutzen das gleiche Prinzip, allerdings mit nur zwei Kontakt- und einer Rastfeder pro Schalterwippe.

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Das sind die drei Kontaktfedern von S1. Man sieht die unterschiedliche Lage des Knicks. Die Haken links dienen zum Einlöten der Federn am Befestigungspunkt. Bei den vier Einschaltern (S2-5) fehlt jeweils die untere Feder.

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Hier noch zwei Detailbilder von der Unterseite des vierfachen Einschalters S2-5.

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Ich habe hier versucht, den Schaltvorgang in Funktion darzustellen. Zum Verständnis habe ich die Federn farblich markiert. Blau ist die Rastfeder, die elektrisch nichts bewirkt, sondern nur das Pertinaxplättchen in die Endstellungen drückt. Rot ist die 90° abgewinkelte Feder, die eher passiv auf die grüne Feder wartet. Grün ist die aktive Feder, die an ihrem Knick vom Pertinax angehoben und gegen die rote Feder gedrückt wird. Das ist das ganze Prinzip.
Man sieht hier schon, was das Dilemma bei vielen Tornados ist: Die Drähte sind verbogen, gebrochen und/oder verschmutzt. Das gilt sowohl für die Kontakt- als auch die Rastfedern. Verbogene oder gebrochene Rastfedern führen zum Verlust der Rastung. Die Wippen schlabbern dann nur lose hin und her und der Kontakt steht nicht. Verbogene oder verschmutzte Kontaktfedern führen dazu, daß der Kontakt entweder nicht mehr schließt oder nicht öffnet. Da der Schalter in keiner Weise gekapselt ist, sind die Federn teilweise richtig schmierig und verdreckt. Außerdem sind die Federn ziemlich lang und dünn. Daher ist der Kontaktdruck gering, was auch zu Fehlern führt.

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Die Rastfedern sind 0,3mm stark
 
Die Kontaktfedern sind 0,4mm stark

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Die Rastfedern sind als Doppelfeder gebogen. Das Bild zeigt eine einseitig gebrochene Feder. Deutlich sind die Knicke in der Mitte der Schenkel zu sehen. das Pertinaxplättchen muß diese Knicke überwinden, was die Rastung ergibt. Der Umschalter mit seiner einzelnen Wippe hat eine solche Doppelfeder für sich allein. Beim 4-fach Wippschalter bekommt jede Wippe aber nur einen Schenkel einer Doppelfeder. Er kommt also mit zwei Federn aus.

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Das Bild zeigt einen 4-fach Wippschalter, bei dem alle Kontaktfedern entfernt sind. Man sieht deutlich den Lauf der Rastfedern. Die Grundplatte des Schalters ist an den Längsseiten nach oben abgewinkelt. In diese Winkel sind für die Federn gegenüberliegend je zwei dünne Löcher gebohrt, so das zwei benachbarte Wippen jeweils einen Federschenkel abbekommen. An den unteren Winkel ist außerdem die Pertinaxplatte mit den Lötösen für die Kontakte genietet. Die Doppelfedern werden von unten durch den ersten Winkel nach innen, und danach auch durch den gegenüberliegenden Winkel wieder nach außen gesteckt. Um diesen Winkel werden sie dann stramm umgebogen. Man kann das noch gut an der gebrochenen Feder oben erkennen.

Soweit zur Theorie, wie alles funktioniert, so es das denn tut ;o) Die Frage war nun, wie man defekte Schalter wieder zum sicheren Arbeiten bringt, und möglichst auch noch künftige Ausfälle verhindert?

Lösung für Rastfedern:
Für die Rastung habe ich das alte Prinzip beibehalten. Das heißt, hier gibt es keine Verbesserung des alten Prinzips, nur die Wiederherstellung der Funktion.

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Als Erstes habe ich sowohl Kontakt-, als auch Rastfedern entfernt. Das wird nicht in jedem Fall nötig sein, aber mein Schalter mußte wirklich komplett neu aufgebaut werden.

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Maße in mm!

Die Rastfedern haben etwa die Abmaße wie hier gezeigt. Der Durchmesser ist 0,3mm. Wenn man nicht über entsprechenden Federdraht verfügt, kann man als Ersatz eine gebrauchte Gitarrensaite verwenden. Vom Durchmesser her müßte eigentlich eine H-Saite passen. Ich fand aber die Feder zu steif und habe doch lieber eine hohe E-Saite genommen.
Achtung! Die Knicke in der Skizze sind sozusagen "plattgekloppt" d.h. wenn man von oben auf die liegende Feder sieht, gehen die Knicke eigentlich vom Betrachter weg, nach unten. Das läßt sich auf der Skizze schlecht darstellen. Man sieht es aber gut auf dem zweiten Bild hier unten.

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Zuerst wird die Feder grob abgewinkelt. Danach biegt man die kleinen Knicke nach unten. Beim Biegen der Feder sollte man nicht zu scharfe Zangen verwenden. Wenn der dünne Draht schon hier eingekerbt wird, bricht er später unweigerlich wieder.

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Die Feder sollte vor dem Einbau insgesamt eine Bogen nach unten machen, um in jeder Lage leichten Druck auf das Plättchen auszuüben.

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Nun wird die Feder vom Kontaktplatten-Winkel aus eingefädelt. Es ist wichtig, sie nicht zu stramm einzubauen. Besser ist, auf der im Bild linken Seite etwas dünne Pappe o.ä. zwischen Bügel und Winkel zu stecken (0,5mm sind reichlich dick genug). Erst dann sollte die Feder rechts am gegenüber liegenden Winkel gekürzt und stramm umgebogen werden. Wenn man nun die Pappe entfernt, hat die Feder horizontal ein wenig Luft zum arbeiten. Wenn das Plättchen die Feder anhebt, kann sie die Längentoleranz ausgleichen. Wenn die Feder absolut stramm eingebaut wird, müsste sie bei jedem Schalten den Knick in der Mitte dehnen. Das führt unweigerlich zum Bruch an dieser Stelle. Siehe auch das Bild oben von der gebrochenen Originalfeder. Rastfederbrüche sind meiner Meinung nach überwiegend auf zu stramm montierte Federn zurück zu führen.

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Der vierfach Schalter mit den beiden ersetzten Doppelfedern. Die Prozedur ist für den Einzel-Umschalter die gleiche, nur das dort die komplette Doppelfeder für nur eine Wippe genutzt wird.


Lösung für Kontaktfedern:
Anstelle der Kontaktfedern habe ich Reedkontakte eingesetzt. Damit sind die Kontakte praktisch nicht mehr mechanisch belastet. Vor allem aber schalten sie absolut sicher und in gekapselter Umgebung unter Schutzgas.

Wie funktionieren Reedkontakte?
Ein Reedkontakt ist ein Schließ- oder Umschaltkontakt, der luftdicht in einem mit Schutzgas gefüllten Glasröhrchen (reed = englisch für Schilfrohr) eingeschmolzen ist. Die Anschlüsse sehen an beiden Enden heraus. Der Schaltvorgang wird durch einen, sich annähernden, Magneten bewirkt. Der Magnet berührt dabei das Röhrchen nicht.

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Der Magnet ist hier genau in der Mitte des Kontakts angeordnet. Das muß man in der Praxis ausprobieren. Es kann besser sein, wenn er mehr zu einer Seite angebracht ist.

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Das ist ein einfacher Schließer. Das Röhrchen ist etwa 2,0mm x 20,0mm dünn.
Die Kontakte und Magneten gibt es bei Conrad electronic.

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Hier der Umschalter

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Als Hülse für den Magneten habe ich das Oberteil
von einem normalen Plastedübel benutzt.

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Der Dübel hatte schon eine Art Schlitz eingearbeitet, der etwa der Dicke des Pertinaxplättchens entsprach. Ich habe das abgetrennte Dübelteil stramm auf das Plättchen geschoben und mit 2-Komponentenkleber angeklebt. Das Teil bewegt sich gerade noch frei zwischen den beiden Rastfederschenkeln. Nun wird der Magnet in das Rohrstück geklebt. Es gibt auch runde Magneten, die sich hier besser eignen (ich hatte aber zufällig Massen von diesen eckigen rumliegen). Die Hohlnieten für das Einlöten der Kontakte müssen frei von Zinn sein, damit man die Drähte der Reedkontakte durchstecken und justieren kann.

Achtung! Die Anschlußdrähte von Reedkontakten sind aus Stahl. Sie müssen vor dem Glaskörper mit einer Zange entlastet werden, bevor man sie biegen kann. Der Glaskörper bricht ansonsten sehr leicht an den Enden weg! Die Drähte sollten auch nicht übermäßig gekürzt werden.

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Die Drähte werden etwa in die richtige Lage gebogen und durch die Lötnieten gesteckt. Der Magnet wird zum Kontakt bewegt. Dann wird zuerst ein Draht in der richtigen Länge angelötet, so das der Magnet zwar so dicht wie möglich am Kontakt steht aber diesen noch nicht berührt. Nun wird durch vorsichtige links-rechts Verschiebung der Kontakt so justiert, das er sicher arbeitet. Natürlich sollte man dabei einen Durchgangsprüfer am Kontakt haben. Nun können auch die übrigen Drähte eingelötet werden. Die Enden, die hinten raus stehen, können jetzt abgeschnitten werden.

Hier noch mal drei Bilder, wie das Ganze beim Umschalter aussieht.

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Jetzt sind die Schalter fertig zum Wiedereinbau und sollte, zumindest was die elektrische Funktion angeht, ewig seinen Dienst tun.


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Tonabnehmer

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Meine Tornado hatte leider nur noch einen originalen schwarzen Tonabnehmer (PU) an der Brücke. Der Mittel- und Hals-PU waren ausgetauscht worden. Ich weiß nicht was der Grund war, möchte aber sehr gerne wieder drei originale PU's einsetzen. Leider gibt es die nicht mehr neu zu kaufen. Ich hatte schon 1-1/2 PU's aus einer Ausschlachtung aufgetrieben. Das heißt, einer war mechanisch noch komplett, beim anderen fehlte der Magnet. Die ursprüngliche Freude wurde aber sehr gedämpft als sich beide Spulen als defekt herausstellten. Jemand hatte wohl versucht, sie zu demontieren und war mit dem Schraubenzieher o.ä. in den Wickel gerammelt :o(

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Hier einige Bilder von der Demontage des einen PU's. Der Aufbau ist nicht kompliziert.

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Den Drahtdurchmesser habe ich mit 0,05mm gemessen. Leider ist solch dünner Draht auch nicht einfach zu besorgen.

Ich hab mal beim Profi nach den Preisen für eine Reparatur gefragt. Der Komplette würde fürs Neuwickeln 50,- bis 80,-€ kosten. Das ist mir im Moment zu happig. Außerdem fehlte mir dann ja noch immer einer, denn den zweiten, wo der Magnet fehlt, will keiner reparieren.

Ich habe mich dann entschlossen, die Gehäuse der beiden kaputten Tonabnehmer mit neuem Innenleben auszustatten. Das sie Perlmuttdesign haben, hat mich extra angespornt. Ich finde das kultiger als das einfache Schwarz.

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Ich habe erst die nackten Rahmen poliert und danach den Massedraht angelötet. Dann habe ich die Plasteabdeckung von innen mit Kontaktkleber eingeklebt.

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PU902, ALNICO, Single, Epoxy

Auf der Suche nach geeigneten Tonabnehmern, die sowohl elektrisch zu den Originalen passen, als auch im Gehäuse Platz finden, bin ich im Internet auf den Typ hier oben gestossen.

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Das überschüssige Material am Wickelkörper und auch die Befestigungsflansche habe ich mit dem Dremel vorsichtig abgeschliffen.

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Mit Silikonkleber wurde die Wicklung samt Magnet dann in das Gehäuse geklebt.

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Leider steht der Magnet nach unten aus dem Gehäuse heraus. Im Bild steht der PU auf dem Kopf!

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Daher musste an den Halteleisten der PUs im Körper der Gitarre ein entsprechendes Stück weggeschliffen werden. Mit dem Dremel ging das sehr gut.

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Hier ist der Körper zur Aufnahme der modifitierten PUs fertig.

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Zum Schluss ein Bild von den fertigen Umbauten nach dem Einbau. Originale wären mir lieber aber diese sehen immer noch besser aus als die Ersatzdinger. Soweit ich das bisher beurteilen kann, funktionieren sie auch prima.


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Drehknöpfe

Die Tornado besitzt vier Drehknöpfe: zwei Rändelräder und zwei "normale" Drehknöpfe.

Die Rändelräder:

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Oberhalb der Saiten sitzen zwei schmale Rändelräder, die Volumen und Klang des Mittel-PUs steuern. Die Räder sind aus Aluminium gedreht und tragen am Rand eine einfache Rändelung. Sie haben offensichtlich keine Oberflächenveredelung bekommen. Im Laufe der Zeit wird die Oberfläche daher stumpf. Außerdem verschmutzt die Rändelung.

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Durch die spezielle Form und die Art des Einbaus, gehen diese Räder wohl kaum verloren. Der Ersatz ist also nicht das Problem, sondern eher die Wiederherstellung einer ansprechenden Oberfläche. Ich habe mit einfachem Bearbeiten mit weicher Stahldrahtbürste recht gute Ergebnisse erzielt.

Die Drehknöpfe:
Anders sieht es bei den beiden Drehknöpfen unterhalb der Saiten aus. Sie dienen zur Volumen Kontrolle für den Brücken- bzw. Hals-PU. Diese Knöpfe könnten verloren gegangen sein, oder wurden aus geschmacklichen Gründen gewechselt. Wie auch immer, meine Tornado hatte beim Kauf diese "schönen" Knöpfe.

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Ich wollte gerne den Ursprungszustand wieder herstellen, wußte aber zunächst nicht, wie denn die Originalknöpfe aussehen.

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Ein Gitarrenfreund aus Czechien hat mir schließlich von den Knöpfen seiner Tornado diese Fotos mit Bemaßung geschickt (Danke David!).

Eigentlich wollte ich nun selbst zwei Knöpfe auf meiner kleinen Drehbank nachdrehen, habe aber leider kein Rändeleisen, das in den kleinen Stahlhalter passt (8x8mm).
Nun kann man zwar auch alle möglichen Arten von Knöpfen kaufen, leider entsprechen sie aber kaum dem Original-Design.

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Schließlich habe ich im Web diese Knöpfe gefunden und als Ersatz verwendet. Sie passen recht gut zum Original. Es fehlt nur die Sicke unter der Rändelung. Außerdem sind sie 3,5mm flacher als das Original. Das macht aber nichts, wenn man die Potiachse leicht kürzt. Die Durchmesser stimmen perfekt, ebenso die Oberfläche. Allerdings haben die neuen Knöpfe im Gegensatz zu den alten oben eine Perlmutteinlage. Das sieht aber echt gut aus, finde ich.

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Die Knöpfe werden von verschiedenen Anbietern vertrieben. Ich habe meine bei music-toolbox telefonisch bestellt (guter Service). Das Stück kostete 4,50 € plus Versand.


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Lables

Es gibt für die Tornado insgesamt drei bekannte Typen- bzw. Firmen Logos. Das Bekannteste ist wohl das Tornado Logo auf der Kopfplatte. Obwohl scheinbar alle Exemplare damit versehen waren, ging es doch bei vielen im Lauf der Jahre verloren. Das Wasserschiebebild war wohl nicht sehr dauerhaft.

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Links sieht man, wie beschädigt das Original bei mir schon war. Rechts habe ich mit Photoshop versucht eine Vorlage für ein neues Logo zu schaffen. Es gibt verschiedene Systeme zum selberdrucken von Decals (Wasserschiebebilder). Je nach verwendetem System braucht man entweder die Vorlage seitenrichtig, oder gespiegelt.

Muster normal   Muster gespiegelt

Beim Klick auf den entsprechenden Musterlink öffnet sich ein eigenes Fenster, mit dem Design in höherer Auflösung. Man braucht das Motiv nur in MS Word (z.b.) zu kopieren. Dort muß man es dann auf die Breite 6,2 cm setzen, und kann es auf das entsprechende Spezialpapier drucken, und nach Beschreibung weiterverarbeiten. Schließlich hat man Ersatz für das beschädigte oder fehlende Schild.

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Manche Tornados (nicht alle) trugen zusätzlich ein Firmenlogo auf dem Körper zwischen Vibrato und unterem Schallloch.

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Dann gab es noch ein weiteres Firmenlogo auf der Gig Bag (so man denn eine hatte). Die Gig Bag war übrigens zweiteilig! Hals und Körper hatten je eine Taschenhälfte für sich.

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Es sei noch erwähnt, daß die Seriennummer der Tornados sich hinten an der Kopfplatte am unteren Ende der Mechanik befindet.


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Lackierung

Wie schon weiter oben gesagt, sah der Lack meiner Tornado wirklich schrecklich aus. Die folgenden Bilder zeigen die schlimmsten Stellen.

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Die einzig richtige Lösung wäre sicher, vom Profi komplett neu lackieren zu lassen. Das ist leider im Budget nicht drin. Verglichen mit der Qualität des Instruments und der Art seiner Nutzung, wäre das wohl auch nur rausgeschmissenes Geld.

Was bleibt, sind also eigene Versuche, den Lack partiell auszubessern. Ich hatte gehört, gute Baumärkte würden nicht nur beliebige Farben anmischen, sondern hätten auch Scanner, mit denen man den Kode der Originalfarbe einlesen kann. Das war aber (zumindest in meiner Gegend) ein böses Gerücht. Mischen geht überall. Scannen ging nirgends. Es gab nur diese Farb-Muster Streifen. Ich habe also alles was rot war eingesammelt und mit dem Originallack verglichen. Am dichtesten kam ich mit diesem Muster aus dem Baumarkt.

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Obwohl es ziemlich nahe war, sah man aber trotzdem einen Unterschied. Die Farbstreifen in Baumärkten sind einfach zu grob gestuft.
Da fiel mir der Autolackierer ein! Der mußte doch wohl einen Scanner haben? Wieder Fehlanzeige, allerdings hatte er ein sehr umfangreiches Musterbuch. Es war voller Seiten mit allen möglichen Abstufungen der Farben, viel detailierter als im Baumarkt. Die Muster sind mit richtigem Lack als Quadrate aufgetragen, die in der Mitte ein Loch haben. Man legt die Seite, die am besten passt, komplett auf das Original und sieht in den Löchern prima, bei welcher Farbe kein Kontrast mehr sichtbar ist. Das sollte es sein. Bei mir war es die Farbe mit dem Kode 405E3. Das bedeutet Seite 405, Zeile E, Spalte 3. Ich habe mir dann 100ml Lack mischen lassen. Das Ganze hat mich (mit 50ml Härter) etwa 12,-€ gekostet.

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Hier ist eine Stelle vor und nach dem Ausbessern zu sehen. Die Farbe ist recht gut getroffen. Nun müsste noch mit sehr feinem Wasserschleifpapier geschliffen und nochmal lakiert werden. Mal sehen, ob ich mich dazu durchringen kann ;o)