Zur Startseite

Eine Tackle-Box
(tackle-box - englisch, Kasten für Angelzubehör)

Ein Baubericht und ein Versuch der Erklärung.

  

In Japan gibt es seit Jahrhunderten die Tradition des Tanago-Angelns. Geangelt werden winzigste Bitterlinge (Tanago) mit feinstem, handgefertigtem Geschirr. Dazu gehört auch die entsprechende handgefertigte Kiste. Die drei Fotos hier oben habe ich von dieser Internetseite. (Ich hoffe, nicht gegen das Copyright zu verstoßen!)
Die Fertigung solch einer ähnlichen Kiste wollte ich selbst versuchen. Hier im Folgenden dokumentiere ich das Ergebnis.
Ganz klar muß gesagt werden: Entstanden ist KEINE Box zum "Tanago" angeln. Man kann in Deutschland gar nicht Tanago angeln, weil es den speziellen Bitterling hier gar nicht gibt. Ausserdem würde dazu die spezielle Angel und anderes mehr gehören. Diese Box ist bestenfalls zum Microfishing geeignet, das international gerade populär zu werden scheint.

Die erste Frage war: Welche Angel soll da rein? Der Kasten sollte nämlich alles Nötige für einen kleinen Angeltrip beherbergen, also auch die Angel selbst. Beim bekannten Onlineversand viel mir diese "Fishing Rod Pen" ins Auge und drei Tage später hatte ich sie auf dem Schreibtisch.

Von der Qualität ist sie sicher kein Rolls Royce aber für 12,- € kann man das auch nicht erwarten. Sie ist nicht für weite Würfe und große Fische geeignet, das soll sie aber auch nicht leisten. Vom Boot, vom Steg oder zum Eisangeln auf kleinere Fische sollte sie aber brauchbar sein.

Hier ein Bild zur Verdeutlichung der Größenverhältnisse.

Nun, wo das größte zu verstauende Teil (Angel & Rolle) feststeht, können die Maße der Kiste bestimmt werden. Oben wird es einen Klappdeckel geben, der innen noch Stauraum bietet. Direkt darunter ist ein festes Innenfach mit Unterteilungen. In der Mitte das größte Fach ist eine Schublade, die nach vorn öffnet. Sie beherbergt die Angelrute, die Stationärrolle und den Rutenhalter. Ganz unten gibt es noch eine weitere flache Schublade, die zur Seite öffnet und Kleinteile aufnehmen soll.

Das Material ist massives Buchenholz. Die Verbindungen werden gezinkt. Die Böden der Schubladen und die Deckelplatte sind aus Sperrholz.

Die Zinken werden mit der Dekoupiersäge ausgeschnitten. Das ist bei dem harten Buchenholz und der Menge der Zinken keine Freude!

Die Nuten für die Böden schafft die kleine Proxon Kreissäge mit Hartmetallblatt noch gerade so. Um auf die richtige Tiefe zu begrenzen, hab ich zusätzliche Leisten mit Klebeband auf dem Tisch befestigt.

Das Verleimen der Teile gestaltet sich zu einem echten Puzle!

Hier sieht man nun deutlich, dass ich kein Tischler bin! Ohne Holzspachtel geht es bei mir selten!

Das ist die große Mittelschublade, bei der natürlich auch Spachtel nötig war.

In der Mittelschublade sind hinten Löcher für Neodym-Magnete gebohrt. Diese halten die Schublade später geschlossen. Um sie öffnen zu können, hat das Gehäuse für jede Schublade ein Loch an der Rückwand, durch dass ein Finger die Schublade nach vorn herausdrücken kann.

Auch die untere, flache Schublade bekommt einen Magnet zum Zuhalten.

Das ist die Innenansicht einer Ecke des Deckels des Kiste. Dort wurde nicht gezinkt, sondern auf Schmiege geklebt.

Der Deckel in der Draufsicht, bei dem der Lasergravierer sich schon austoben konnte.

Hier ist der Laser mit der Rückseite der Kiste beschäftigt. Deckel, Front- und Rückseite bekommen umfangreiche Verzierungen zum Thema.

Das wird der Sockel der Kiste, sozusagen der Fuß. Durch die Ausschnitte der Querstege läuft später das Gurtband zum Tragen. Die Unterseite liegt hier oben.

Wie so oft hatte ich auch hier wieder das Problem, dass nach dem Montieren der Scharniere der Deckel und der Kasten nicht exakt in der Flucht waren.
Das ist meine Notvariante dafür: Scharniere an der Kiste unten verstiftet. Dann alles unten mit Folie gesichert und die Oberteile der Scharniere mit wenig Epox-Kleber an den Deckel geheftet. Solange das Epox nicht hart ist, kann ich den Deckel auf der Kiste ausrichten. Nach dem Härten ganz vorsichtig den Deckel öffnen und die Scharniere oben verstiften. Und natürlich die ganze Zeit beten, daß der Kleber an den Scharnieren hält, bis sie verstiftet sind. Ufff geschafft!

Die Flecken um die Scharniere sind vom Beizen an diesen Stellen bevor die Scharniere montiert wurden.

Zwei Ansichten der Kiste im Rohbau mit fertigen Lasergravierungen.

Hier entstehen die Rohlinge für die seitlichen Gurtbandführungen.

Das war die Grundidee, sah mir aber dann doch etwas schmucklus aus. In der späteren Variante habe ich die Innenfläche dann noch ausgedrechselt.

So sieht die Gurtführung nun an der fertigen Box aus.

Das hier wird später der Rutenhalter, der auch in eine zünftige Tanago-Box gehört..

Auf der Drechselbank wird die Rohform erarbeitet.

Die Federklemme ist aus einem alten Metallsägeblatt entstanden. Am Clip wurde sie mit Schrumpfschlauch überzogen. Die Garnbindungen fixieren die Klemme und sind gleichzeitig Verzierung.

Ein Bild vom Beizen der beiden Schubladen.

Jetzt wird schon lackiert. Mehrere dünne Schichten sind nötig. Dazwischen wird immer fein geschliffen. Auf dem Karton links hinten stehen die Teile, die in der großen Schublade die Aufteilung und Fixierung für Angel, Rolle und Rutenhalter darstellen.

Lackierung der Unterseite mit dem Sockel.

Der Deckel hat Ornamente in den Ecken und ein kleines Medallion in der Mitte bekommen. Der Laser kann nur Motive mit maximal 65 mm Ausdehnung bewältigen. Daher ging das Medallion leider nicht größer.

Die Rückwand hat einen "fischigen" Spruch und ein Steuerrad bekommen, in dessen Zentrum sich das Loch zum Öffnen der Frontschublade versteckt.

Ein kleines Copyright für's Ego musste natürlich auch dran.

Hier sind alle Fächer geöffnet. Eventuell bekommt der Deckel auf der linken Seite noch Halterungen für vorgefertigte Montagen o.ä.

Hier demonstriere ich den Rutenhalter in Funktion. Im rechten vorderen Fach der oberen Etage ist ein Formklotz eingeleimt, der den Clip des Rutenhalters sicher aufrecht hält.

Mancher hat sich vielleicht gefragt, was das Ding innen auf der rechten Deckelseite ist? Na klar, ein UKW Radio. Ich komme an solchen Spielereien selten vorbei und hier war die Verführung einfach zu groß. Wer sich für die Einzelheiten des Radios interessiert, kann den Bericht hier finden.

 

nach oben