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Eine Lichtorgel
mit Anzeige in russischer GMI-90 Elektronenröhre
(Ansteuerung mit Arduino unten auf der Seite)

Bei der Suche nach einem geeigneten Display für eine einfache Lichtorgel fiel mir in der Werkstatt eine alte russische GMI-90 in die Hände. Vor sehr langer Zeit hab ich mal meine Brötchen mit der Instandsetzung von Geräten verdient, in denen diese Röhren verwendet wurden. Weil es die größten Brocken sind, die mir als Röhre je in die Hände gekommen sind, hatte ich dieses defekte Exemplar als Trophäe beiseite gelegt.

Hier steht sie nun mit ihren imposanten Maßen und macht schon mal richtig Eindruck. Das Problem ist aber, daß sie noch unter Vacuum steht, also mit Vorsicht zu behandeln ist. Bevor sie ihr neues Innenleben bekommt, muß sie also "entschärft" werden.

Typ und Produktionsdatum (November 1979)

Einige Hinweise zum "Entschärfen": Wie so viele Dinge ist es nicht gefährlich, wenn man es richtig macht. Es kann aber auch gewaltig schief gehen! Für Nachahmer erkläre ich ausdrücklich, das ihr das auf eigenes Risiko macht!
Mein Arbeitsgang geht wie folgt: Schutzbrille für Augen aufsetzen! Die Röhre wird komplett dick in ein Handtuch gewickelt, so dass gerade noch die Sockelplatte aus dem Wickel schaut. Die Sockelplatte wird vom Körper weg gerichtet! Die Klinge eines stabilen Schraubendrehers wird seitlich gegen das Ende des Evakuierungszipfels aus Glas gesetzt, dort ist das Glas deutlich dünner als darüber! Es ist sozusagen eine Sollbruchstelle. Dann ein beherzter Hammerschlag gegen den Schraubendreher und gut ist (hoffentlich). Das Ergebnis sieht so aus wie oben in dem ovalen Feld. Eventuell muß man die Öffnung noch vorsichtig etwas "beknabbern". Abschließend Glassplitter aus der Röhre schütteln und fertig!

Als Leuchtmittel wollte ich eigentlich Power-LEDs verwenden. Von einem anderen Projekt hatte ich dann aber in der Kiste einen Streifen mit sechs 3-farbigen LEDs übrig. Diese Streifen werden in verschiedenen Längen als SET mit Netzteil und Fernbedienung überall angeboten. Die Streifen lassen sich jeweils um drei LEDs kürzen, weil immer drei in Reihe geschaltet sind. Zu einer Gruppe gehören also immer drei RBG-LEDs plus jeweils ein Widerstand pro Farbe, wie hier oben zu sehen.

Die zwei Gruppen, die ich übrig hatte, habe ich in der Mitte gefaltet. Die Streifen sind von Hause aus selbstklebend, also haften die prima zusammen. Die vier kurzen weißen Drähte sind erst mal nur zum Probieren dran. Manchmal hat man wirklich richtig Glück: Diese LED-Streifen passen tatsächlich genau durch das Loch, das durch das Abschlagen des Evakuierungszipfels entstanden ist. Anstelle der weißen Drähte wurde ein 4-poliges Kabel angelötet und mit Heißkleber fixiert. Am anderen Ende (oben) wurde ein stabiler Draht ebenfalls mit Heißkleber befestigt. Der geht beim Einführen des Streifens in die Röhre genau oben in den hohlen Mittelanschluß der Anode. Dadurch wird der LED-Streifen dort fixiert. Unten bekommt das Kabel in Höhe des Lochs im Glas einen Wickel aus PVC-Isolierband um das Loch fast ganz auszufüllen. Abschließend wurde der komplette Streifen mit Revell Silberbronze farblich an das Innenleben der Röhre angepasst.

Hier ist alles montiert. Im linken Oval ist die obere Lagerung zu sehen. Im rechten Oval sieht man den I-Bandwickel in der Glastülle und den Klebeübergang zwischen Kabel und LED-Streifen.

Den I-Bandwickel habe ich an zwei gegenüber liegenden Stellen mit Epox mit der Glastülle verklebt. Ich wollte das bewust nicht luftdicht machen, um evtl. Beschlagen zu vermeiden.

Aus einem alten Schukostecker hab ich eine Schelle gewonnen, die das Kabel an der Kontaktplatte befestigt und zugentlastet.

Die Kontaktplatte ist 8 mm dick und aus Duroplast. Wenn man dort die Schraubenlöcher 0,2 mm dünner bohrt als die Schrauben, kann man die ohne Gewinde eindrehen und sie halten trotzdem sehr gut.

Soweit zur Vorbereitung der Anzeigeröhre, hier nun die Schaltung:

Die Anregung für die Schaltung stammt von dieser Webseite. Ich kam aber mit der dort verwendeten Mikrofonanschaltung nicht klar und habe daher eine einfache 2-stufige Transistorschaltung benutzt. Sie ist sehr empfindlich und der realen Situation durch Poti anpassbar. Auf der verlinkten Webseite könnt ihr auch den Code für den Arduino downloaden. Im Code hab ich in Zeile 15 den Wert von 35 auf 30 verringert. Die blaue LED (Höhen) wurde ansonsten bei mir kaum aktiv. Jetzt mit dem Wert 30 ist es für mich OK. Die Schaltung hat direkt auf der Platine drei LED sozusagen als Monitor für die Funktion. Die eigentlichen "Last-LEDs" werden über einen vierpoligen Stecker angeschlossen.

Die Leiterplatte ist mit Hilfe von Eagle entstanden und in ein kleines transparentes Gehäuse eingebaut. Links der Einschalter und das Mikrofon, rechts oben die DC Buchse für das 12V/1A Steckernetzteil und darunter die Diodenbuchse für den Anschluß der externen LEDs.

Der Vorteil des transparenten Gehäuses ist hier gut zu erkennen. Die internen LEDs brauchen nämlich keine Durchbrüche. Die Funktion ist auch so gut zu sehen.

Hier ein kleines Video der Steuereinheit in Funktion.

Abschließend noch ein Video der kompletten "Orgel".

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