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Eine Ameisenfarm


Eine Ameisenfarm ist schon etwas eher Exotisches, das gebe ich zu! Gereizt hat mich der Gedanke aber schon lange und nach dem Studium etlicher Youtube Tutorials soll es nun losgehen. Das erste Bild hier oben zeigt das Endprodukt. Der Weg dahin wird im Folgenden beschrieben.

Was Ameisen angeht, bin ich Anfänger. Seit April 2018 habe ich eine lasius niger Königin, die z.Z. im Gründungs-Reagenzglas lebt. Sie hat erst ca. 10 Arbeiterinnen, wird also wohl noch einige Zeit da drin bleiben aber für den Moment des Umzugs ist dann dieses neue Heim bereit. Einiges, was ich hier umgesetzt habe, ist vermutlich untauglich, das wird sich dann zeigen. Ich wollte eine Farm schaffen, die neben einem Nestbereich, der sich unten befindet und aus Yton besteht, auch eine kleine Arena bietet. Diese besteht aus einer Ferrero Rocher Box, die obenauf montiert ist.

Um Enttäuschung zu vermeiden sage ich schon mal vorab, dass ich einige 3D-Druck Teile verwendet habe und ein wenig Elektronik ist auch im Spiel.

Hier aber erst noch mal ein kleines Video um das Interesse zu wecken ;o)

Los geht es mit Einkäufen im Baumarkt. Wichtigstes Material ist ein Ytong Baustein. Daraus entsteht das "Nest". Der kleinste Stein, der verfügbar war hatte die Maße 60x20x10 cm. Modellgips steht auch noch auf dem Kassenzettel. Das größte Opfer verlangte dieFerrero Rocher Box! Ich musste die ganzen Dinger selber essen weil die Gattin sie nicht mag. So ein Pech aber auch!

Ein alter Fuchsschwanz eignet sich prima zum Zuschneiden des Luftbetons. Ich habe mit sehr wenig Druck und vor allem langsam und vorsichtig geschnitten. Die Ecken brechen sonst leicht aus.

Die Grundfläche des Nests ergab sich aus den Maßen der Rocher-Box. Sorgfältiges Anzeichnen der Schnittkanten und sauberes Ansetzen der Säge ist wichtig.

Nach dem Sägen habe ich das erste Mal die Flächen mit Sandpapier geschliffen. Das schafft alles eine Menge Staub. Im Wohnzimmer würde ich sowas sicher nicht machen.

Hier der Nest-Klotz nach dem Sägen und Schleifen.

Eine Sichtprobe zum Check der Maße und Proportionen. So weit, so gut.

Das Nest wird vorn mit einer Acrylglasplatte abgedeckt. Manche kleben die direkt drauf. Ich habe mich für Schrauben entschieden. Damit die Schrauben dauerhaft halten und auch mehrfach gelöst werden können, kommen zuerst mal Dübel rein. Beim Bohren gilt das selbe wie beim Sägen: ganz, ganz vorsichtig! Ich habe IMMER mit der Maschine im Ständer gebohrt und meistens mit eingestelltem Tiefenanschlag. Der Abstand zum Rand darf hier nicht zu gering sein, sonst bricht das aus!

Hier wird es jetzt elektronisch. Wer das nicht mag, kann es einfach überspringen. Im Bauablauf kam das für mich aber tatsächlich an dieser Stelle, weil ich die Abmaße der Komponenten für die Fächer im Nest brauchte und daher erst mal die Schaltung aufbauen musste.
Die Skizze zeigt die Steuerung für insgesamt sieben rote 3-mm LEDs, die das Nest später bei Bedarf beleuchten sollen. Rotes Licht soll für Ameisen angeblich nicht so stressig sein.
Beim Druck auf den Taster gehen die LEDs an und verlöschen nach ca. einer Minute langsam von selbst. Die Leuchtdauer wird durch C2 und R5 bestimmt. Mehr dazu weiter unten beim Testlauf der Beleuchtung.

Die Schaltung hat auf einer kleinen Lochrasterplatine Platz gefunden. Etwas rechts in der Mitte sieht man den Mikrotaster, der die Beleuchtung startet. Die Stehbolzen werden mit ihren Köpfen in das Fach eingeklebt.

Anpassen der Lage für die beiden Fächer für 9V-Block und Schaltung an der Rückseite des Nests. In Wirklichkeit habe ich beide aber dann um 90 Grad gedreht.

Zum Anschluß der Batterie an die Schaltung brauchte ich einen Adapter, den man natürlich kaufen kann. Aus einer leeren Batterie kann man aber leicht einen solchen "recyceln". Das Top-Teil ist alles was man braucht. Zwei Drähte dranlöten und fertig ist der Adapter.

Mit einem Forstnerbohrer im Bohrständer sind die beiden Fächer vorgebohrt. Der Tiefenanschlag sorgt für saubere Bodenflächen. Im kleinen Fach sieht man schon das Loch für die Druckstange, die den Taster betätigt. Das Loch wurde vorher von der Frontseite aus gebohrt, weil die Lage exakt passend zum Layout des Nests sein sollte. Nach der Position des Lochs richtete sich die Lage des Elektronikfachs.

Mit einem alten Stecheisen lassen sich die Feinheiten sehr gut verputzen. Das Material ist wirklich gut zu bearbeiten.

Das erste Teil aus dem 3D-Drucker ist eine Bodenplatte. Sie dient dem Schutz der Kanten des Blocks aber verhindert auch eventuelle Feuchteschäden an Flächen, auf denen die Farm steht. Das Innen-Längsmaß entspricht exakt der Länge des Yton-Blocks. Die Innenbreite ist Blockbreite+Frontplattenstärke+Rückwandstärke.

Hier fertigt der Drucker gerade den roten Bedienknopf für die LED-Beleuchtung.

Der komplette Betätigungsstab für den Taster. Die grüne Stange ist von einem Lolliball (Lutscher). Der Knopf ist innen hohl und draufgeklebt.

Die Unterseite des Blocks hat zwei Dübel zur Befestigung der Bodenplatte und ein Großes Loch, in das ein Feuchtigkeitsbehälter reinkommt.

Jetzt geht es an das Kratzen der Kabelkanäle. Das geht mit dem schmalen Stecheisen wieder sehr gut.

Diese kleinen Röhrchen sind eigentlich Stäbe von Ohrtupfern. Ich verwende sie zum Einleiten von Wasser zu den beiden fest eingebauten Wasserbehältern.

Der Forstnerbohrer schafft sich an den Nestkammern an der Vorderseite. Unten über dem mittleren Dübel sieht man das Loch für den Schaltknopf.

Und wieder werden mit dem Stecheisen die Kammern verputzt. Die rechte Seite ist schon fertig.

Das ist jetzt die Oberseite, auf der die Rocher-Box mit Schrauben in Dübeln befestigt wird. Das kleinere Loch vorn unten ist der Einstieg von der Arena in das Nest. Das Große Loch rechts ist ein Behälter für Seramis. Es soll als Feuchtigkeitsreservoire dienen. Rechts davon geht ein kleines Loch schräg nach links unten in's Seramis. Dort wird eins der Wasserleitungs-Röhrchen eingeklebt.

Die Frontseite mit den fertig gekratzten Gängen und den Löchern für die sieben Beleuchtungs-LEDs. Der kleine Schlitz in der linken unteren Kammer gehört zu dem zweiten Wasserspender, der auch den Ameisen zugänglich sein soll.

Die Rückseite mit allen Löchern vor der Verkabelung der LEDs.

Die rechte Seitenwand hat einen Außenanschluss zur dahinter liegenden rechten unteren Nestkammer. An diesen Anschluß kann später eine Erweiterung angeschlossen werden.

An der Linken Seitenwand habe ich mit einer Kanüle ein Loch schräg nach unten zum Wasserbecken gebohrt. Eigentlich soll da auch ein Röhrchen eingeklebt werden aber vielleicht lasse ich es wie es ist und benutze später einfach die Kanüle zum Befüllen.

Hier sieht man den Lauf des Wasserkanals, der über dem "Becken" endet. (der Block steht auf dem Kopf!)

Die LEDs sind mit dünnen Litzen vorverdrahtet, die jetzt mit Drahtschlingen von vorn nach hinten durchgezogen werden. Die Anschlüsse der LEDs sind rechtwinklig abgebogen, so dass die Abstrahlung nach unten erfolgt.

Es wird spannend! Zum Probelauf der Schaltung ist der gemeinsame Vorwiderstand der LEDs (R6) durch eine Widerstandsdekade ersetzt. Das ist das runde schwarze Ding rechts unten. Rechnerisch sollten 7 LED à 2 mA = 14 mA an 9V einen Widerstand von etwa 640 erfordern. Die Dekade steht bei 560 Ohm und das Instrument zeigt 12,45 mA. das ist perfekt! Also hab ich den Wert auch verwendet. Die Stromaufnahme bei leuchtenden LED ist also geringer als 13 mA. In Ruhe kann das Instrument keinen Strom anzeigen. Das bedeutet, bei sporadischer nutzung der Beleuchtung wird die Batterie bis zur Grenze ihrer Lagerfähigkeit reichen.

Hier wird für das Seramis-Reservoire die Wasserleitung eingeklebt (Weißleim).

Leider fehlen im chronologischen Ablauf hier ein paar Fotos. Im Eifer der Bastelei wird das Fotografieren manchmal glatt vergessen. Da kann man nichts machen.
Jedenfalls ist die Verdrahtung hier schon Geschichte und die Kabelkanäle sind mit Gips vergossen. Als neues Feature kommt nun noch ein digitales Hygrometer/Thermometer dazu. Für den entsprechenden Fühler gibt es ein neues Loch links unten neben der LED-Platine.

Auch hier fehlen einige Fotos im Ablauf. Besonders das Ausstreichen der Kammern mit einer dünner Gipsschlempe hätte ich dokumentieren sollen. Schade aber nicht mehr zu ändern. Auf jeden Fall sind dadurch die Poren in den Kammern fast komplett gefüllt und die Flächen sind deutlich glatter und gefälliger geworden. Bei dem Arbeitsgang sind auch die LEDs eingegipst worden. Mit Vollton- & Abtönfarbe wurde das Nest nun von aussen gestrichen. das muss mehrfach passieren, weil die großen Poren nicht im ersten Anlauf die Farbe gut genug aufnehmen. Da bleiben erst mal nach dem Trocknen Massen helle Sprenkel übrig. Nach dem zweiten oder dritten Anstrich ist es dann ok.

Das hier sind die einzelteile für das Wasserbecken, das den Ameisen zugänglich sein soll. Innen- und Außenteil des Bechers ist im 3D-Druck entstanden. Innen kommt der Schwamm rein, damit nichts schwabbert. Oben ist eine feinmaschige Gaze dran, damit die kleinen Krabbler nicht ertrinken. Die Gaze ist etwas nach innen gewölbt, damit sich dort (hoffentlich) Wasser sammelt.

Das Wasserbecken ist jetzt unter der linken unteren Nestkammer eingebaut. Leider ist die Gaze beim Verputzen etwas mit Gips verschmiert. Hoffentlich funktioniert das trotzdem.

Probelauf der Beleuchtung in den frisch "renovierten" Kammern.

Die Bodenplatte hat Füsse aus Filz bekommen. Dazu habe ich einen einzigen runden selbstklebenden Möbelgleiter geviertelt - fertig!

Nun geht es an die Arena. Ein Wort zur Warnung: Das Material ist Polystyrol, was bedeutet, es ist recht spröde und neigt zum Platzen! Also extreme Vorsicht beim Bohren und Sägen!
Die Lage der Befestigungslöcher wurde vom Nest abgenommen und danach die Löcher gebohrt. Das spätere Einstiegsloch zum Nest ist ebenfalls gebohrt und ein Stückchen Silikonschlauch steckt stramm da drin. Ein Pappkarton hat an der betreffenden Stelle ebenfalls ein Loch und dient für den Moment als Nestersatz. An der Stelle der späteren Befestigungslöcher stecken Stecknadeln im Karton.

Dünnflüssiger Gips wurde mit Volltonfarbe eingefärbt, so dass er ein wenig wie Wüstensand aussieht. Nachdem die Deko plaziert war, wurde die Schlempe eingefüllt und trocknen gelassen. Durch die Bodenlöcher kam etwas nach aussen, was aber egal ist. nach dem Trocknen lässt sich das leicht entfernen.

Nach dem Trocknen habe ich die Stecknadeln vorsichtig gezogen und an den Stellen mit einem Bohrer in der Hand die Löcher für die Befestigungsschrauben aufgerieben. Natürlich hätte ich die Arena VOR dem Gips festschrauben können. das hätte aber einen Wechsel bei Beschädigung schwierig gemacht. Rechts kam mit dem Schälbohrer noch ein Loch für einen weiteren Außenanschluß rein.

Im Nest wird in die vorgesehene Kammer Seramis eingefüllt.

Danach wird sie mit Heißkleber oben komplett verschlossen.

Der Deckel soll später nicht ständig abnehmbar sein, hat aber einen großen ovalen Ausschnitt bekommen, der eine abnehmbare Service-Luke aufnimmt. Innen ist zur Verstärkung ein Ring aus dem 3D-Drucker aufgeklebt. In die vier runden Aussparungen werden Neodym Magneten geklebt. Innen auf den Deckel wird später Ausbruchschutz aufgetragen.

Dies ist der abnehmbare Aussenrahmen der Serviceluke.

Man sieht hier den Bund, der in den Innenrahmen passt. Ganz innen kommt Metallgaze rein. In die Löcher aussen werden die Gegenpole der Neodym-Magnete eingeklebt, die den Deckel fixieren.

Zuschnitt der Metallgaze mit Klebeband als Muster. Das Material kam von einem Online-Ameisenversand.

Die Gaze wird mit Epoxydharz eingeklebt.

So sieht das ganze Teil nun fertig aus.

Die Rückansicht mit dem eingesetzten Sensor des Hygrometers/Thermometers.

Das Messgerät kam vom chinesischen Online-Händler und ist wirklich billig. Das Kabel zwischen Sensor und Instrument war allerdings elendig lang. Das hab ich gekürzt.

Die beiden Aussenanschlüsse sind für den Moment mit genau passenden Stöpseln verschlossen

Der obere Anschluß im Detail mit Stutzen und Verschlußstöpsel.

Auch die vier Schraubenlöcher im Gips sind mit Plaststöpseln verschlossen. Links hinten eine Ameisentränke aus einer Injektionsspritze und zwei Druck-Teilen.

Von der Spritze wird das Aussenteil gekürzt und die Spitze entfernt. Das Loch wird zugeklebt.

Das Unterteil passt stramm auf den Zylinder. Das grüne Oberteil hat keine Funktion ausser Kosmetik! Der Zylinder wird mit Wasser gefüllt bevor das Unterteil aufgedrückt wird. Durch die kleinen Löcher unten kommt jeweils nur sehr wenig Wasser nach aussen. Der Unterdruck verhindert, dass das Röhrchen leer läuft.

Dieses Video zeigt die Beleuchtung in Funktion. Die Zeitdauer ist aber verkürzt.

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